Es gibt einen wichtigen Faktor, der durch die Veröffentlichung von Standorten zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustandes führt: Anwohner, Landwirte und örtliche Behörden sind auf "Bunkertourismus" in der Regel nicht vorbereitet, manchmal wird Rechtsextremismus befürchtet, und dann liegt schnell eine Ladung Sand drüber. (Ich sage euch ehrlich: In all den Jahren zwischen Betonbrocken, zwischen den Symbolen der "Niederlage" sind mir noch nie Nazis begegnet, die dort ihre "Gedenkstätte" hätten. Warum auch? Aber eins gibt es: Besucher in militärischer Bekleidung tragen zu einem negativen Erscheinungsbild bei.)
Hier sind zwei Komponenten zu unterscheiden: Zum einen die Anwohner und örtlichen Behörden, zum anderen die Besucher, die in kleineren oder größeren Anzahlen anfallen, worauf ich später noch zu sprechen komme.
Anwohner, Grundstückseigentümer, Förster, Jäger, Pächter, Landwirte und örtliche Behörden wissen oft nicht, was "man" mit den alten Betonbrocken anfangen soll und zerstören und übererden sie manchmal. Unkenntnis und Vorurteile spielen hier eine wichtige Rolle. Eine Lösung kann in gezielten Veröffentlichungen liegen, in einem kleinen Gebiet, begleitet von Führungen und Vorträgen und sogar mit Standortdaten. Das fördert Verständnis und Wissen, kostet aber eben Arbeit.
Titelbild: (c) Frank Gottschall, VEWA e.V.
Freitag, 15. Juli 2011
Mittwoch, 13. Juli 2011
Ein Beispiel von was man besser nicht tut
Stellen Sie sich vor, dass ich das Dokumentationsblatt von diesem Bunker unter Nennung der korrekten Nummer, Ortsangaben und/oder Koordinaten im Internet, vielleicht sogar als spannenden Geocache veröffentlichen würde. Was kann dann passieren?
- Zwangsläufig zieht man mehr Besucher an. Das wollte man doch erreichen? Das kann man haben: Je mehr Publikumsverkehr erzeugt wird, desto stärker werden Fahrspuren, Trampelpfade und Müllablagerung gebildet und das schadet die Vegetation.
- Als Folge fühlen sich manche Tierarten gestört und meiden ihren dortigen Nestplatz, Liegekuhle oder Jagtrevier.
- Anwohner, Grundstückseigentümer, Pächter, Landwirte, Jäger oder Förster fühlen sich gestört und versuchen den Publikumsverkehr zu unterbinden. In der Vergangenheit reichte in einigen Fällen ein Beseitigungsantrag beim Bundesvermögensamt um den Abbruch herbei zu führen. Andernorts greift man noch immer zur Selbsthilfe und schüttet Zugänge mit Erdreich oder Holzabfällen zu.
- Zwangsläufig zieht man mehr Besucher an. Das wollte man doch erreichen? Das kann man haben: Je mehr Publikumsverkehr erzeugt wird, desto stärker werden Fahrspuren, Trampelpfade und Müllablagerung gebildet und das schadet die Vegetation.
- Als Folge fühlen sich manche Tierarten gestört und meiden ihren dortigen Nestplatz, Liegekuhle oder Jagtrevier.
- Anwohner, Grundstückseigentümer, Pächter, Landwirte, Jäger oder Förster fühlen sich gestört und versuchen den Publikumsverkehr zu unterbinden. In der Vergangenheit reichte in einigen Fällen ein Beseitigungsantrag beim Bundesvermögensamt um den Abbruch herbei zu führen. Andernorts greift man noch immer zur Selbsthilfe und schüttet Zugänge mit Erdreich oder Holzabfällen zu.
Es ist naiv zu glauben, dass ein Bunkerbild, eine Google Earth KML-Datei oder ein Forumsbeitrag nicht schaden kann.Viele (private) Grundstückseigentümer schauen sich ihren Besitz in Google Earth an. Können Sie sich vorstellen, wie schnell zugeschüttet wird, wenn jemand anders mit einem GPS-Punkt und schönen Bildchen für den Bunker auf diesem Grundstück "wirbt" und eine Woche später der Zaun aufgebrochen wird?
Dienstag, 12. Juli 2011
Ein echt deutsches Thema: Verkehrssicherung kontra Denkmalschutz
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Bundesrepublik sehr bemüht, damit von den gesprengten Resten der "Westbefestigungen" keine Gefahren für Anwohner ausgehen und dass sie die Entwicklung von Siedlungen und Infrastruktur nicht beeinträchtigen. Seit ich als fünfzehnjähriger niederländischer "Grenzgänger" bei Aachen anfing den Zweck und das Schicksal der einst so zahlreichen Bunker zu hinterfragen und erst mal gar nichts mehr fand, drängte sich der Gedanke auf, dass man die Bunkerruinen einfach nicht schön fand und deshalb ein Stück Geschichte mit Meißel, Bagger und viel Geld aus dem Bewusstsein der Menschen entfernte. Bezahlt wurde das vor allem durch das Bundesfinanzministerium und begründet mit Verkehrssicherung. Nun möchte ich anmerken, dass ich kein anderes Land in Europa kenne, dass sich soviel Sorgen macht um seine ehemaligen Befestigungsanlagen und soviel Mittel aufwendet um sie zu "sichern" oder zu entfernen.
Als seit den 80er Jahren die "Bunkerbeseitigung" auch vor ausgedehnten Waldgebieten, Naturschutzgebieten und historischen Stätten keinen Halt machte, wuchs der Widerstand von Seiten der Historiker, Naturschützer, Denkmalschützer, Bunkerfreunde und Anwohner heran. Es war eine schizophrene Situation: Auf der einen Seite wurden von Bund und Ländern Steuergeld aufgewendet um Denkmäler zu restaurieren oder gar Biotope anzulegen, auf der anderen Seite beharrte das damalige "Bundesvermögensamt" auf die notwendige Verkehrssicherung und zerstörte sie. Einzelne Veröffentlichungen schienen den "föderalen Vandalismus" jedoch geradezu zu fördern, weil Standorte veröffentlicht wurden. Womit wir beim Thema sind.
Ende 2002 hinterfragte die Zeitschrift "Der Spiegel" den Sinn der Geschichtsvernichtung, und Spiegel-TV strahlte 2003 einen Dokumentarfilm darüber aus. Zwischen 2004 und 2009 richteten die vier "Westwall-Bundesländer" gesetzliche Schutzvorkehrungen ein, und der Bund für Umwelt und Naturschutz bietet mit dem Projekt "Grüner Wall im Westen" ein Forum, worin Bund, Länder, Denkmalschützer und Naturschützer versuchen, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Als alternative Verkehrssicherung wird inzwischen erneut eingezäunt. Auch das kostet Geld, führt zu Abholzungen und Beschädigungen an den Standorten und sperrt nebenbei Tiere aus.
Am liebsten gar keine Zäune, rufen viele, weil es gibt zig-hunderte Standorten in der Eifel, im Hunsrück, in der Pfalz und in den Rheinauen, die keinem Stören und wo noch nie jemand zu Schaden gekommen ist.Trotzdem, so einfach ist es nicht: Eine Lösung für die juristische Klemme
Als seit den 80er Jahren die "Bunkerbeseitigung" auch vor ausgedehnten Waldgebieten, Naturschutzgebieten und historischen Stätten keinen Halt machte, wuchs der Widerstand von Seiten der Historiker, Naturschützer, Denkmalschützer, Bunkerfreunde und Anwohner heran. Es war eine schizophrene Situation: Auf der einen Seite wurden von Bund und Ländern Steuergeld aufgewendet um Denkmäler zu restaurieren oder gar Biotope anzulegen, auf der anderen Seite beharrte das damalige "Bundesvermögensamt" auf die notwendige Verkehrssicherung und zerstörte sie. Einzelne Veröffentlichungen schienen den "föderalen Vandalismus" jedoch geradezu zu fördern, weil Standorte veröffentlicht wurden. Womit wir beim Thema sind.
Ende 2002 hinterfragte die Zeitschrift "Der Spiegel" den Sinn der Geschichtsvernichtung, und Spiegel-TV strahlte 2003 einen Dokumentarfilm darüber aus. Zwischen 2004 und 2009 richteten die vier "Westwall-Bundesländer" gesetzliche Schutzvorkehrungen ein, und der Bund für Umwelt und Naturschutz bietet mit dem Projekt "Grüner Wall im Westen" ein Forum, worin Bund, Länder, Denkmalschützer und Naturschützer versuchen, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Als alternative Verkehrssicherung wird inzwischen erneut eingezäunt. Auch das kostet Geld, führt zu Abholzungen und Beschädigungen an den Standorten und sperrt nebenbei Tiere aus.
Am liebsten gar keine Zäune, rufen viele, weil es gibt zig-hunderte Standorten in der Eifel, im Hunsrück, in der Pfalz und in den Rheinauen, die keinem Stören und wo noch nie jemand zu Schaden gekommen ist.Trotzdem, so einfach ist es nicht: Eine Lösung für die juristische Klemme
Abonnieren
Posts (Atom)

